Vor einiger Zeit sprach ich mit einer Bekannten über ein neues Angebot, das sie für weibliche Führungskräfte entwickeln wollte. Sie unterstützt Frauen dabei, authentisch zu führen, klar zu kommunizieren und auch in ihrer Führungsrolle bei sich zu bleiben. Sie hatte bereits viele Gedanken gesammelt und auf einer Art Landkarte festgehalten. Darauf standen mögliche Inhalte, Fragen und Übungen. Jede einzelne Idee passte zu ihrem Thema. Trotzdem fiel es ihr schwer, daraus eine sinnvolle Reihenfolge zu entwickeln.
Womit sollte sie beginnen?
Was gehörte wirklich hinein?
Und wie sollte aus all diesen Ideen ein sinnvoller Weg entstehen?
Im Gespräch wurde ziemlich schnell sichtbar, was ihr fehlte. Sie wusste sehr genau, was sie ihren Teilnehmerinnen alles mitgeben wollte. Was sie noch nicht konkret formuliert hatte, war etwas anderes:
Was sollten die Frauen am Ende ihres Angebotes verstanden, erkannt oder für sich entwickelt haben?
Und genau deshalb fehlte ihr der rote Faden.
Viele gute Ideen ergeben noch keinen roten Faden
Seit diesem Gespräch ist mir diese Situation noch häufiger begegnet. Eigentlich war sie vorher auch schon da. Ich hatte sie nur noch nicht so deutlich als Muster vor Augen.
In den vergangenen Monaten habe ich in Beratungen, Workshops und einer Fortbildung mit insgesamt über 60 Menschen an ihren eigenen Angeboten gearbeitet. Die Themen und Formate waren teilweise völlig unterschiedlich. Und trotzdem saßen wirklich viele vor demselben Problem:
Da waren jede Menge gute Ideen. Aber kein Weg.
Übungen waren schon gesammelt, Inhalte vorbereitet, manchmal standen sogar einzelne Module. Nur die Frage, wie das alles sinnvoll zusammengehören sollte, ließ sich gar nicht so leicht beantworten.
Besonders auffällig war für mich, dass die meisten Teilnehmer:innen am falschen Punkt angesetzt haben. Sie versuchten Inhalte zu sortieren. Dabei fehlt ihnen noch der Maßstab, überhaupt entscheiden zu können, was wohin gehört.
Ein Thema liefert viele Ideen
Wenn du einen Workshop zum Thema Kommunikation im Team planst, fallen dir wahrscheinlich ziemlich schnell passende Inhalte ein:
Aktives Zuhören. Körpersprache. Feedback. Konflikte. Schwierige Gesprächssituationen.
All das passt…und genau das ist das Problem. Ein Thema kann dir zeigen, was alles möglich wäre. Es hilft dir noch nicht dabei zu entscheiden, was du wirklich brauchst. Möchtest du, dass die Teilnehmenden ihre eigene Wirkung in Gesprächen bewusster wahrnehme? Sollen sie lernen, in schwierigen Situationen klarer zu kommunizieren? Oder sollen sie am Ende ganz konkret ein anstehendes Gespräch vorbereiten können? Je nachdem, was du erreichen möchtest, brauchst du einen anderen Weg. Dadurch verändert sich auch der Blick auf deine Ideensammlung.
Welche Übung bringt die Teilnehmenden tatsächlich weiter?
Was müssen sie vorher verstanden oder erfahren haben?
Und welche großartige Idee darf diesmal draußen bleiben?
Ein Thema öffnet Möglichkeiten. Ein Ziel hilft dir zu entscheiden.
Das Ziel wird zum Maßstab
Für mich selbst war dieser Schritt lange so selbstverständlich, dass ich kaum darüber nachgedacht habe. Als Lehrerin habe ich von Anfang an gelernt, Unterricht vom Ziel her zu planen. Bevor ich über einzelne Aufgaben oder Übungen nachdenke, muss ich wissen, wohin ich mit meinen Schülerinnen und Schülern (heute meinen Auszubildenden) eigentlich möchte. Erst in der Arbeit mit Menschen, die ihre eigenen Workshops, Fortbildungen oder Begleitungen entwickeln, ist mir aufgefallen, dass genau dieser Schritt häufig fehlt.
Und eigentlich ist das ziemlich nachvollziehbar. Wer für ein Thema brennt, beginnt oft dort, wo die eigenen Ideen liegen: bei den Inhalten, den Übungen, den Dingen, die man unbedingt weitergeben möchte. Ich schaue an dieser Stelle automatisch aus einer anderen Richtung darauf. Ich frage, was soll am Ende entstanden sein? Und von dort aus gehe ich rückwärts.
Welche Schritte braucht es, damit die Teilnehmenden dort ankommen können?
Was müssen sie vorher verstanden oder erfahren haben?
Und was braucht der Prozess als Nächstes?
Gerade der letzte Punkt ist mir wichtig. Denn ein klares Ziel bedeutet für mich nicht, einen Workshop einmal durchzuplanen und anschließend stur an diesem Plan festzuhalten. Eine Gruppe braucht vielleicht länger. Eine Frage öffnet plötzlich etwas, das gerade Raum benötigt. Oder ich merke mitten im Prozess, dass mein eigentlich geplanter nächster Schritt überhaupt nicht mehr passt. Dann darf sich der Weg verändern. Das Ziel gibt mir weiterhin Orientierung.
Das Ziel gibt auch den Teilnehmenden Orientierung
In der Arbeit mit Coaches und Beraterinnen ist mir noch etwas anderes aufgefallen. Ein klares Ziel hilft nicht nur bei der Planung. Es gibt auch den Menschen Orientierung, die ich durch einen Prozess führe. Wenn ich zu Beginn weiß, wo ich gerade stehe und wohin mich ein Format führen soll, kann ich das, was unterwegs passiert, anders einordnen. Gerade dann, wenn es zwischendurch anstrengend wird.
Denn ein guter Workshop muss seine Teilnehmenden nicht durchgehend bespaßen. Manche Schritte brauchen Konzentration. Manche Übungen fordern heraus. Und manchmal muss ich mich mit einer Frage länger beschäftigen, obwohl ich gerade viel lieber zur nächsten Übung springen würde. Dann wird eine Frage wichtig: Kann ich nachvollziehen, wofür ich diesen Schritt gerade gehe?
Wenn ich weiß, wohin der Prozess führen soll, kann ich auch eine anstrengendere Phase anders einordnen. Ich kann erkennen, warum sie an dieser Stelle sinnvoll ist und was sie mit meinem eigentlichen Ziel zu tun hat. Und am Ende kann ich zurückschauen:
Wo bin ich gestartet?
Was hat sich verändert?
Was nehme ich tatsächlich mit?
Genau dieser Abgleich macht den eigenen Prozess greifbarer. Das fand ich in meiner Arbeit mit anderen Angebotsentwicklerinnen und -entwicklern besonders spannend: Ein Ziel, das zunächst wie ein Werkzeug für die Planung aussieht, wird damit gleichzeitig zum Orientierungspunkt für die Menschen, die ich durch diesen Prozess führe.
Zurück zum Anfang
Für meine Bekannte war genau dieser Perspektivwechsel entscheidend. Ihre Ideen waren immer noch dieselben. Auch an ihrem Thema hatte sich nichts verändert. Aber sie schaute plötzlich anders auf ihre Planung: Was sollen sie am Ende verstanden, erkannt oder für sich entwickelt haben? Und damit hatte sie einen Maßstab für all die Ideen auf ihrer Landkarte.
Manches führte ziemlich direkt zu ihrem Ziel. Anderes brauchte es vielleicht erst später. Und manche Idee war weiterhin richtig gut – nur eben für einen anderen Workshop.
Vielleicht fehlt also auch deinem Workshop gar keine weitere Übung.
Manchmal braucht es zuerst eine klare Antwort auf die Frage, wohin all deine Ideen eigentlich führen sollen.
Wenn du gerade selbst vor vielen Ideen sitzt …
… und merkst, dass dir genau diese Klarheit noch fehlt, habe ich dafür die PDF „Der rote Faden deines Workshops“ entwickelt.
Sie begleitet dich mit gezielten Fragen und konkreten Arbeitsschritten dabei, aus einem großen Thema ein erreichbares Ziel für dein Angebot zu entwickeln.
Ich spreche darin zwar von Workshops, die Überlegungen lassen sich jedoch genauso auf Seminare, Fortbildungen, Retreats und andere Angebote übertragen.
Wenn du mehr darüber erfahren willst, kannst du hier alles nachlesen:
