Der Moment, in dem Lernen kippt – und warum du ihn so leicht übersiehst

Ich beobachte gerade etwas, das mich nicht loslässt: Menschen lernen – und trotzdem passiert nichts…

Gedanklich lande ich dabei immer wieder an derselben Stelle.

Es gibt unglaublich viele gute Angebote da draußen. Wirklich. Tolle Coaches, Mentor:innen und Begleiter, die sich mit Herzblut ihren Kund:innen und Teilnehmer:innen widmen. Sie geben sich Mühe, machen sich viele Gedanken und haben Inhalte, die nicht einfach nur oberflächlich sind. Und trotzdem sitze ich nach manchen Formaten da und habe dieses Gefühl … da ist eigentlich gar nicht viel passiert. Das meine ich nicht abwertend. In mir war so ein leises Irritationsgefühl. Ich habe zugehört, auch verstanden was gesagt wurde und mitgedacht – aber es hat sich nichts verschoben.

Es hat eine ganze Zeit gedauert, bis ich greifen konnte, was mich daran eigentlich stört.

Es liegt daran, dass Lernen an einer ganz bestimmten Stelle kippt. Und genau diese Stelle wird oft übersehen. Was ich meine ist nicht dieser große Moment, in dem jemand sagt: „Ich verstehe das nicht.“ Den gibt es nämlich ganz oft gar nicht. Es passiert viel früher und oft ganz leise und unbemerkt. Da sitzt jemand, macht vielleicht sogar alles mit und innerlich ist er längst ausgestiegen. Das kann sogar ganz unbewusst geschehen. Manchmal ist es eher so ein inneres Zurücktreten.

„Ich müsste das doch verstehen.“

„Die anderen kommen ja auch mit.“

„Das liegt bestimmt an mir.“

Und dann wird einfach nichts mehr gesagt.

Ich kenne das aus dem Unterricht. Und ganz ehrlich… ich habe es selbst nicht immer gesehen. Auch ich habe Aufgaben eingesetzt, die mir völlig schlüssig und logisch erschienen. Meine Schüler:innen sind trotzdem daran gescheitert. Das war ganz unspektakulär. Und auch ganz leise. Erst in der Reflexionsrunde wurde sichtbar, wo es „gehakt hat“. Ich nenne solche Momente Kippmomente. Dabei kann Lernen in die eine oder andere Richtung kippen. In meinem Fall kippte es in die negative Richtung. Während wir also über diesen Kippmoment sprachen, erkannte ich, dass ich nicht nur darauf schauen muss, ob eine Aufgabe augenscheinlich „gut“ ist. Ich muss bewusster darauf achten, ob die Aufgabe den Lernprozess trägt. Und das ist ein ziemlich unangenehmer Unterschied, weil ich gemerkt habe:

Man kann sehr gute inhaltliche Aufgaben stellen und trotzdem keinen Lernprozess auslösen.

Genau das sehe ich im Coaching-Bereich gerade wieder. Viele arbeiten mit Methoden, Übungen, Vorstellungen, und ja, teilweise auch mit der Unterstützung von KI. Eine KI kann hilfreich sein, wenn es an Ideen mangelt, aber was fehlt, ist der richtige Blick. Ist diese Aufgabe wirklich geeignet? Funktioniert das gerade wirklich? Oder sieht es nur so aus?

Wenn es nicht funktioniert, passiert oft etwas ganz Logisches:

Dann wird die nächste Aufgabe genommen. Oder eine andere Methode ausprobiert. Und dann noch eine. Bis irgendwann etwas dabei ist, das besser passt. Aber das ist dann eher ein zufälliger Treffer als ein Verständnis für den Prozess.

Dieser Weg ist lang und umständlich. Zusätzlich „säumen“ zahlreiche Teilnehmer:innen den Weg zur Lösung. Das ist nicht nur problematisch im Hinblick auf Weiterempfehlungen, sondern auch bei Folgebuchungen und Bewertungen.  

Ehrlich gesagt glaube ich, dass hier ein sehr wichtiger Unterschied deutlich wird.

Ich glaube, in der Zukunft geht es nicht mehr um „das“ Expertenwissen oder „die“ perfekte Methode. Sondern darum, was beim Teilnehmer tatsächlich passiert. Kann er die Inhalte nicht nur verstehen, sondern tatsächlich anwenden? Kann er umsetzen, danach handeln und findet eine Transformation tatsächlich statt?

Was wirklich zukunftsfähig ist, ist also die Fähigkeit zu merken, wann ein Prozess kippt. Und dieser Moment ist unscheinbar und darum auch so leicht zu übersehen. Doch wenn man ihn nicht bemerkt, läuft der Prozess weiter und Lernen findet nicht mehr statt.

Ich glaube, dass genau das gerade wichtiger wird. Denn alles, was auf reiner Informationsvermittlung basiert, wird immer leichter ersetzbar. Aber dieses Gespür dafür, wann etwas wirklich greift, Denken sich verändert und jemand innerlich „andockt“ – das lässt sich nicht einfach erzeugen.

Für mich hat sich dadurch der Fokus ziemlich verschoben. Ich arbeite heute viel stärker daran, ob das, was ich tue, überhaupt trägt. Was meiner Meinung nach wirklich wichtig ist, ist die Frage:

Merkst du, wann Lernen aufhört?

Und weißt du, was du dann tust?

Ich glaube, genau da entscheidet sich, ob ein Prozess wirklich etwas verändert.

Oder ob er nur gut aussieht.

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