Warum Fortbildungen wirkungslos bleiben

Ich saß in einem Workshop und sollte Symbole von links nach rechts ziehen.

Bausteine. Pfeile. Kästen.
Ein digitales Tool, mit dem wir eine eigene KI „bauen“ sollten.

Ich habe aufmerksam zugehört. Wirklich. Der Experte erklärte seine Folien einwandfrei – bestimmt nicht zum ersten Mal.

Und trotzdem wusste ich zu keinem Zeitpunkt, wie das Endprodukt am Ende aussehen soll, was genau da überhaupt entsteht und was diese Tabellen jetzt genau mit meinen Fächern zu tun haben sollen.
Also zog ich Symbole. Verband sie miteinander.
Und ich hatte keine Ahnung, warum.

Die Expertise war da, mein Wille auch. Und dennoch entstand kein Lernen. Die Folge ist ein typischer Lernabbruch, ein Kippmoment im Lernprozess.

Was ist da passiert?

Experten arbeiten mit ihrem Inhalt. Sie haben ihn durchdrungen, erklären Zusammenhänge, zeigen Möglichkeiten auf. Der Fokus liegt auf dem Gegenstand. Was dabei häufig zu kurz kommt, ist der Lernprozess.

Worauf arbeite ich hier hin?
Was soll ich am Ende konkret können?
Wie übertrage ich das auf meinen Kontext?

Ohne diese Orientierung bleibt der Inhalt abstrakt. Es wird gehört und vielleicht auch verstanden. Aber es wird nicht handlungsfähig. Und genau an dieser Stelle bricht der Lernprozess ab.

Ich habe gemerkt, wie schnell Motivation kippt, wenn Relevanz nicht hergestellt wird. Wenn Fachbegriffe im Raum stehen, ohne sich im eigenen Tun zu verankern. Wenn Diskussionen geführt werden, ohne dass daraus ein nächster Schritt entsteht.

Motivation ersetzt keine Architektur und auch gute Inhalte tragen nicht automatisch. Ein Lernprozess muss gebaut werden.

Er braucht:

– Zielklarheit
– Anschluss an die Praxis
– schrittweise Führung
– konkrete Anwendung
– Transfer

Fehlt diese Struktur, bleibt die beste Expertise wirkungslos. Ohne Anwendung und Transfer erfolgt keine Verankerung – und der Inhalt verpufft.

So oft wie mir das in den letzten Jahren begegnet ist, kann ich kaum noch von einer Ausnahme sprechen. Das ist ein strukturelles Thema. Mich interessiert dabei weniger, was jemand weiß, sondern eher, wie ein Prozess gestaltet sein muss, damit Wissen Wirkung entfaltet.

Lernen entsteht nicht zufällig.
Es entsteht durch Architektur.

Und genau da setze ich an.

Birgit Miehe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen